Lärm ohne Grenzen? Strausberg und der Fluglärm.

Strausberg rühmt sich mit Recht, „die grüne Stadt am See“ zu sein. Wer kann das schon! Es gibt hier genügend Wald, der ökonomisch bewirtschaftet und naturverbunden durch sachkundige Pflege aufgewertet wird. Es gibt genügend Seen mit hoher Wasserqualität. Noch atmen wir überwiegend saubere, gute Luft. Verkehrstechnisch ist die Stadt nicht nur per Auto, sondern auch mit dem ÖPNV gut zu erreichen. Die Berliner S-Bahn und die Strausberger Eisenbahn befördern bequem, sicher und pünktlich (zumindest die Straßenbahn der Linie 89) Besucher aus der Hauptstadt hier her. Das im Vorjahr begangene Jubiläum der 775 Jahre war ein würdiges und der Sache angemessenes Ereignis.

Das und manches Andere ist guter Wein, in den aber leider nicht nur ein Wermutstropfen beständig fällt: Das ist der vom Strausberger Verkehrslandeplatz ausgehende Fluglärm und der bereits jetzt in hohem Maße vorhandene von den nahe gelegenen Flughäfen Schönefeld und Tegel. Und diese werden mit Sicherheit sehr bald noch erheblich lärmender!

Natürlich hat der hiesige Flugplatz seine Geschichte, die beachtet werden muss. Die in der Umbruchszeit nach der Wiedervereinigung beider deutscher Staaten getroffene Entscheidung, den Flugplatz zu erhalten, war damals gewiss von der Annahme getragen, dass die Beibehaltung des Flugbetriebes Arbeitsplätze erhält, dauerhaft sichert und Geld in die Stadtkasse befördert.
Sehr bald musste aber die Frage gestellt werden, ob der Betrieb des Flugplatzes auch vereinbar ist mit den Bedürfnissen der Bürger, ja, mit den Charakter der Stadt eben als der grünen Stadt am See und ob er den prognostizierten Nutzen erbringt.
Wenn die damalige Entscheidung primär oder gar ausschließlich von ökonomischen Gesichtspunkten getragen worden ist, so musste sehr bald danach die Frage nach der Verträglichkeit und dem allseitigen(!) Nutzen gestellt werden. Und das nun mit allem Nachdruck, denn die jahrzehntelange Entwicklung des Platzes erbringt nicht den Nutzen, den man sich anfangs versprochen hatte. Dem gegenüber führt aber die beständige Zunahme des Flugverkehrs zu einer sich erheblich verstärkenden Belastung der Bürger und zu einer kontinuierlichen Verschlechterung ihrer Lebensqualität.

Wir leben heute nicht mehr am Anfang der 90-er Jahre des letzten Jahrhunderts, wo einseitige Entscheidungen getroffen worden sind. Die Zeit ist nicht stehen geblieben. Heute sind Fragen des Gesundheits- und Naturschutzes zumindest stärker zu bedenken, auch wenn sie noch nicht gleichrangig mit ökonomischen Faktoren rangieren. Das Beharren auf ausschließliche Vorrangigkeit der Wirtschaft ist nicht mehr zeitgemäß.
Aus diesem Grunde versucht der Bürgerverein gegen Fluglärm Strausberg und Umland e.V. die für das Wohl der Stadt Verantwortlichen zu dieser Einsicht zu bewegen. Leider gibt es kein Miteinander, sondern nur ein Gegeneinander!
Es ist auch bedauerlich, dass die übergroße Mehrheit der Bürger der Stadt die Augen vor den Problemen verschließt und nicht an der Auseinandersetzung um bessere Lebensbedingungen teilnimmt. Viele verstecken sich hinter dem Argument, dass es so schlimm ja wohl nicht werde und man doch sowieso nichts machen könne.

Natürlich ist in den Wintermonaten die Lärmbelästigung niedriger, mitunter sogar wenig spürbar. Auch bringt die momentane und teilweise Verlagerung des Flugbetriebes nach Neuhardenberg und Finow eine gewisse Entlastung. Aber das ist doch zeitlich sehr begrenzt. Sehr bald wird der Flugbetrieb mit nervigen Platzrunden und weiter führenden Flügen über das Stadtgebiet hinaus wieder einsetzen. Soll man sich daran schicksalhaft gewöhnen? Was wird wohl erst sein, wenn die Start- und Landebahn verlängert ist und die Bedingungen für den Instrumentenflug geschaffen sind? Dann wird der Lärm explodieren. Die Väter des Flugplatzes werben schon seit langem mit allen Mitteln dafür, dass Strausberg einen Teil des Geschäftflugverkehrs aufnehmen kann, der in Schönefeld keinen Platz finden wird. Dann werden nicht nur die Hobbyflieger und Flugschulen unseren Luftraum für ihre höchst egoistischen Vergnügen verlärmen, sondern wesentlich größere und schwerere Maschinen, die erheblich lauter und noch viel öfter an- und abfliegen werden.

Hinzu kommt noch, dass mit der Inbetriebnahme des hauptstädtischen Flughafens die Lärmbelästigung rapide ansteigen wird. Niemand sollte sich in der trügerischen Sicherheit wiegen, dass es noch nicht so weit sei. Fest steht, dass der Hauptstadtflughafen an dieser falschen Stelle fertig gestellt werden wird und Strausberg den Lärm der an- und abfliegenden Jets als Einlenkpunkt aus verschiedenen Himmelsrichtungen bei den Landungen und den Starts ertragen muss. Und das alles aus niedriger Höhe!
Also steht uns eine noch wesentlich stärkere und doppelte Belastung bevor.

Was hat eigentlich das Volksbegehren erbracht, in dem sich die Bürger für das Verbot der Nachtfliegerei entschieden haben? Wie gehen verantwortliche Politiker in den Ländern Berlin, Brandenburg und dem Bund mit Plebisziten um? Kann der erklärte Bürgerwille kurzerhand mit dem Argument der Wirtschaftlichkeit ausgehebelt und negiert werden?
Schon ist der weitere Ausbau des Schönefelder Flughafens mit einer 3. Start- und Landebahn im Gespräch. Politiker der CDU in der Brandenburger Landesregierung setzen damit die seiner Zeit falsche Entscheidung des damaligen Oberbürgermeisters von Berlin, Diepgen, und des zu gleichen Zeit wirkenden Bundeswirtschaftsministers, Wissmann, fort!

Niemand hat etwas dagegen, per Flugzeug an sein Urlaubsziel zu gelangen. Aber das muss nicht von falscher Stelle aus geschehen, zumal es eine günstigere Alternative gegeben hat.
Wir wollen keineswegs den Faktor Wirtschaft ausschließen, aber deshalb müssen Flugzeuge nicht auch noch in der Nacht fliegen oder in den ständig ausgeweiteten Randzeiten zu Ungunsten der Nachtruhe.

Die Gesundheit der Menschen ist ein hohes Gut, nicht nur die Produktivität der Wirtschaft! Und Strausberg muss bessere Bedingungen erhalten, die grüne Stadt am See zu bleiben. Dazu gehört die Minimierung des Fluglärms!

 

Der Vorstand

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

8 + 2 =

Post Navigation