Unserer Fragen an die Bürgermeister/innen Kandidaten/innen

Der Kampf um den Einzug in das Strausberger Rathaus als zukünftiger Bürgermeister /in läuft auf Hochtouren. Insgesamt werben fünf Kandidaten /innen bei der Strausberger Wählerschaft um ihre Stimmen.
Als gemeinnütziger Bürgerverein haben wir Fragen zum Thema kommunaler Flugplatz und Fluglärm an die Bürgermeisterkandidaten /innen zusammengestellt und um Beantwortung gebeten.
Inzwischen haben uns alle fünf Bürgermeisterkandidaten /innen ihre Antworten zugesendet, dafür bedanken wir uns ganz herzlich!!

Wir haben folgende Antworten erhalten, die wir hier in der Reihenfolge der Beantwortung aufgelistet haben:

Frage Stimmen Sie mit uns überein, dass übermäßiger Fluglärm negative Auswirkungen auf Mensch und Umwelt hat?
Herr Thomas Frenzel Ja.
Frau Birgit Bärmann Ja. Der negative gesundheitliche Einfluss von Lärm ist mir bekannt.
Herr Patrick Hübner In diesem Punkt stimme ich Ihnen komplett überein, dass Fluglärm negative Auswirkungen auf Mensch und Umwelt hat.
Herr Stephan Blumenthal Ja. Auf jeden Fall!
Frau Elke Stadeler Jeder übermäßige Lärm hat negative Auswirkungen.
Frage Ist Ihnen bekannt, dass an Wochenden bei gutem Wetter in geringer Höhe Kleinflugzeuge phasenweise im Minutentakt z.B. über die Kirschallee und die Beerenstraße fliegen und nicht selten Lärm von 80 dB und mehr emitieren?
Herr Thomas Frenzel Nein, da meines Wissens durch veränderte Flugplatzregeln so eine Handlungsweise nicht möglich ist.
In diesem Zusammenhang bleibt aber abzuwägen was geringe Höhe für sie bedeutet und wie geringe Höhe die Allgemeinheit einschätzt. Gleiches gilt für den gemessenen Fluglärmpegel von 80 dB. Sind 80 dB gesundheitsgefährdend oder einfach nur Laut?
Ein vorbeifahrendes Auto aus 5m Entfernung vom Straßenrand erzeugt auch einen Schallpegel von 80 dB.
Frau Birgit Bärmann Die genauen Flugplanung und konkreten Emissionen in bestimmten Wetterlagen sind mir nicht bekannt.
Herr Patrick Hübner Dieses hohe Verkehrsaufkommen ist mir in diesem Ausmaß nicht bekannt
Herr Stephan Blumenthal Ja, da müssen Starteinschränkungen für lärmintensive Flugzeuge und Leichtflugzeuge an Sonn- und Feiertagen verhängt werden.
Frau Elke Stadeler Dazu liegen mir keine Informationen vor.
Nach Aussagen des Flugplatzes werden laut dem letzten Fachgutachten Werte über 80 dB(A) nur sehr selten erreicht.
Frage Sind Sie der Meinung, dass es zukünftig zu einer spürbaren Verringerung des vom Strausberger Flugplatz ausgehenden Fluglärms über dem Stadtgebiet kommen sollte, um die Umweltbelastungen deutlich zu minimieren und die Wohn- und Erholungsfunktion der Stadt zu stärken?
Herr Thomas Frenzel Nein. Mir sind keine Fluglärmbelästigungen über dem Stadtgebiet, ausgehend vom Strausberger Flugplatz bekannt. Somit kommt es nicht zu den von ihnen dargestellten Umweltbelastungen und die Wohn- und Erholungsfunktion der Stadt wird daher auch nicht negativ beeinträchtigt.
Frau Birgit Bärmann Ich denke, dass es künftig generell weniger Emissionen aus Flugbetrieb geben wird. Die Luftfahrtindustrie forscht unter Beteiligung großer Konzerne wie z.B. Siemens intensiv an alternativen Antriebskonzepten, z.B. auf Elektrobasis. Es kann davon ausgegangen werden, dass Fliegen in Zukunft umweltfreundlicher und leiser sein wird. Der Flugplatz bietet der Stadt die Möglichkeit einer Teilhabe an dieser wichtigen Entwicklung, indem weitere innovative Betriebe der Branche angesiedelt werden.
Ich stimme Ihnen aber zu, dass die bestehenden Interessen gegeneinander abzuwägen sein werden. In diese Abwägungen ist das Thema Emissionen unbedingt mit einzubeziehen
Herr Patrick Hübner Grundsätzlich bin ich für eine Reduzierung des Fluglärms. Insbesondere der Ausbau 2020 wird die oben aufgelisteten Probleme noch verstärken ohne einen wirklichen Mehrzweck zu schaffen, da entsprechende Investoren fehlen. Lediglich eine Infrastruktur zu unterhalten darf nicht Ziel sein, da sich diese selbst tragen muss.
Herr Stephan Blumenthal Ja, auf jeden Fall!
Frau Elke Stadeler In den letzten Jahren gab es bereits eine Verringerung der Flugbewegungen über dem Stadtgebiet. Der Hauptausschuss der Stadtverordnetenversammlung wurde regelmäßig über die aktuellen Flugbewegungszahlen informiert. Daraus lässt sich entnehmen, dass gerade zu den lärmsensiblen Zeiten an den Wochenenden weniger Flüge stattfinden
Frage Denken Sie, dass 2 Mio. Euro kommunale Finanzhilfen (Zum Flugplatz verschobene Gewinne der Stadtwerke) für den Flugplatz allein in den letzten 8 Jahren für die Bürger der Stadt gut angelegtes Geld waren?
Herr Thomas Frenzel Der Flugplatz ist in und für Strausberg ein Wirtschaftsfaktor und -standort. Mit diesem Geld sind unteranderem Voraussetzungen geschaffen worden, dass sich Firmen am Flugplatz ansiedelten und somit Steuergelder für Strausberg erwirtschaften. Auch die Verbesserung der Infrastruktur auf und am Flugplatz haben Auswirkungen auf die vorab genannten Faktoren. Es ist gut angelegtes Geld für Strausberg.
Frau Birgit Bärmann Der Strausberger Flugplatz ist im Eigentum der Stadt und damit der ihrer Einwohner. Die Festlegungen der Strausberger Stadtverordneten zu bewerten ist schwierig. Solange man Eigentümer eines Unternehmens ist, hat man erstmal die Verantwortung es betriebswirtschaftlich sinnvoll auszustatten
Herr Patrick Hübner Das Subventionen über einen so langen Zeitraum nicht dem Flugplatz verholfen haben, finanziell eigenständig zu werden, zeigt mir, dass die Mittel schlecht angelegt waren. Des Weiteren ist in absehbarer Zukunft kein Ende in Sicht, sodass weiterhin bezuschusst wird.
Herr Stephan Blumenthal Grundsätzlich nein, jedoch muss die konkrete Anzahl der Luftfahrt-affinen Arbeitsplätze überprüft werden.
Frau Elke Stadeler Der Kauf und der Betrieb des Verkehrslandeplatzes wurde Anfang der Neunziger Jahre nahezu einstimmig durch die Stadtverordnetenversammlung Strausberg beschlossen. Die Erhaltung und Unterstützung des Platzes geschieht folgerichtig im kommunalen Auftrag.
Frage Wenn ja, welchen konkreten Nutzen hatten / haben die Bürger der Stadt, der diese dauerhaften Beihilfen rechtfertigt?
Herr Thomas Frenzel (Autor: siehe vorherige Antwort)
Frau Birgit Bärmann Die Stadtverordneten haben den Beschluss zum Betrieb gefasst. Der konkrete Nutzen ist abstrakt gesprochen die Umsetzung des Willens der Einwohner gefasst durch ihre gewählten Vertreter.
Herr Patrick Hübner
Herr Stephan Blumenthal Dauerhaft dürfen diese Beihilfen keinen Bestand haben! (Es kann nicht sein, dass mit dem Geld der Mieter der SWG der Flugplatz subventioniert wird!)
Frau Elke Stadeler Der Verkehrslandeplatz Strausberg ist ein Wirtschaftsfaktor für die Stadt und die gesamte Region.
Frage Weshalb ist es im Sinne von Strausbergs Einwohnern, Flugschulen und Freizeitpiloten durch die Flugplatzbeihilfen indirekt zu subventionieren? Dies sind die überwiegenden Nutzer des Flugplatzes und sie machen vor allem am Wochenende viel Lärm über der Stadt!
Herr Thomas Frenzel Welchen Lärm? Wie bereits in der Antwort zu Frage 2 erwähnt, gibt es veränderte Flugplatzregeln, die zur Verminderung von Flugplatzlärm beitragen. Flugschulen und Freizeitpiloten sind Wirtschaftsfaktoren, genauso wie KfZ-Fahrschulen. „Der eigene Hund macht keinen Lärm – er bellt nur“ und „Lärm ist das Geräusch der Anderen“ (Zitat: Kurt Tucholski)
Frau Birgit Bärmann Eine berechtigte Frage. Die Antwort muss und wird im politischen Raum gefunden werden.
Herr Patrick Hübner Subventionen machen nur über einen begrenzten Zeitraum Sinn und sollten keine Dauerlösung darstellen. Aktuell wiegt der Nutzen (Arbeitsplätze, Einnahmen etc.) nicht die Nachteile (Subventionen, Fluglärm etc.) auf.
Herr Stephan Blumenthal Eine Subventionierung von Flugschulen und Freizeitpiloten macht keinen Sinn!
Frau Elke Stadeler Auch die Nutzung des Verkehrslandeplatzes durch Flugschulen und Allgemeine Luftfahrt gehört zu einem wirtschaftlichen Betrieb. Und eine Subventionierung liegt aus meiner Sicht nicht vor. Die Platznutzer zahlen marktübliche Preise, was von der zuständigen Luftfahrtbehörde bei jeder Preisänderung auch geprüft wird.
Frage Halten Sie es für wünschenswert, Flugverkehr vom zukünftigen BER in Schönefeld und damit Flugzeuge mit Turbinenantrieb an den Strausberger Flugplatz zu verlagern, und diesen zu diesem Zweck weiter auszubauen?
Herr Thomas Frenzel Zunächst muss der BER erst einmal seinen Flugbetrieb aufnehmen. Danach wird sich zeigen, was nicht mehr in Schönefeld erwünscht ist. Und dann werden sich die kleinen  Flugzeuge neu verteilen müssen. Solange ist alles Spekulation.
Frau Birgit Bärmann Vor dem Hintergrund meines derzeitigen Kenntnisstandes erscheint es nicht sinnvoll. Es gibt einen Zielkonflikt zwischen dem Wachstum der Stadt und der Intensivierung des Flugbetriebes. Die Entscheidung dazu muss natürlich komplexer abgewogen werden.
Herr Patrick Hübner Ein weiteren Ausbau befürworte ich nicht, da aktuell noch nicht das aktuelle Potential genutzt wurde und sogar weiterhin finanziell unterstützt werden muss ohne Aussicht auf Veränderung.
Herr Stephan Blumenthal Halte ich für nicht im Interesse der Strausberger Bürger!
Frau Elke Stadeler Bisher ist BER nicht in Betrieb. Die Verlagerung einzelner Flüge der „Allgemeinen Luftfahrt“, d.h. von Geschäftsreise- bzw. Privatflugzeugen, nach Strausberg ist nicht ausgeschlossen.
Alle gegenwärtigen Ausbaupläne dienen im Wesentlichen nur Sicherheitsforderungen der Europäischen Luftfahrtbehörde.
Frage Wie lauten ihre Handlungsempfehlungen zum Thema Flugplatz und Fluglärm in Strausberg? Was halten Sie von Alternativvorschlägen zu dem derzeitigen Flugbetrieb am Platz?
Herr Thomas Frenzel Der Flugplatz ist Anfang der 1990ziger Jahre der Stadt Strausberg zugeordnet worden. Danach hat man sich für den Betrieb und schrittweisen Ausbau entschieden. Durch die Angliederung an das Gewerbegebiet hat man die Möglichkeit geschaffen, Gewerbe auch in Flugplatznähe zu etablieren. Diese Firmen benötigen sogar den Flugplatz als Arbeitsgrundlage. Eine Schließung des Flugplatzes oder die Einstellung des Flugbetriebes heißt Arbeitsplätze vernichten und damit Einkommen in der Stadt abzubauen.
Fluglärm ist eine subjektive Schallempfindung und ist nicht eindeutig messbar.
Alternativvorschläge erübrigen sich aus meiner Sicht, da es sich beim derzeitigen Flugbetrieb um Leichtbauflugzeuge handelt und damit lärmgeminderter Flugbetrieb gesichert ist.
Frau Birgit Bärmann Wie unter 4. angedeutet, haben wir als Einwohner über die Zukunft des Luftfahrtstandortes Strausberg zu entscheiden. Dazu bedarf es (ähnlich wie bei der Frage zur Siedlungsstruktur) einer offenen Auseinandersetzung der widerstreitenden Interessen. Erste Ansätze sind im neunen Beteiligungsausschuss zu sehen. Es wird nicht einfach, doch ich denke wir finden einen Weg.
Herr Patrick Hübner Die bestehende Infrastruktur soll weiterhin genutzt werden, sodass Sie eine Zukunft hat. Somit sind 2 Dinge aus meiner Sicht wichtig:
1. Eine bessere Absprache mit Ihrem Verein und den betroffenen Bürgern
—> Maßnahmen: Wann wird geflogen? Wie oft? —> Die wichtigsten Streitpunkte herausfinden.
2. Investoren pro aktiv ansprechen, um den Flugplatz wirtschaftlich tragfähig zu machen
Herr Stephan Blumenthal Kostendeckende Landeentgelte, kein Ausbau, langfristig nur noch Segelfliegerei (vielleicht noch Stemme?)……J
Frau Elke Stadeler Ich kenne keine Alternativvorschläge. Der Flugplatz hat schon viel erreicht, was die Fluglärmthematik angeht. Eine durchaus spürbare Verlagerung von Platzrundenverkehr hat es gerade in den lärmsensiblen Zeiten bereits gegeben.
Ich wünsche mir, dass die Kommunikation zwischen Flugplatz und Bürgerverein wieder verbessert wird. Es gab früher eine Zusammenarbeit mit regelmäßigen Treffen und einem Austausch auf Faktenbasis.
Durch diese Zusammenarbeit wurde viel erreicht, und es gab ein grundsätzliches Verständnis für die jeweils andere Position. Das hat mir damals gut gefallen.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei den Kandidatinnen und Kandidaten auf das Bürgermeisteramt für die Beantwortung der von uns aufgestellten Fragen.

 

Der Vorstand
Februar 2018

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