Finow hofft auf die Landung von Billigflieger Ryanair

Von Andreas Wendt

Eberswalde (MOZ) Der Verkehrslandeplatz Finow (Barnim) will zum Drehkreuz für den irischen Billigflieger Ryanair werden. Nach Informationen von Flugplatz-Geschäftsführer Reinhard Wolk sei Ryanair auf der Suche nach Alternativen zum 40 Kilometer entfernten Airport BBI, der Ende 2011 in Betrieb gehen soll. „Die Start- und Landebahn von 2500 Meter Länge ist genau richtig für die zweistrahligen Maschinen im Linienverkehr von bis zu 85 Tonnen“, sagt Wolk. Ryanair plane, bis zu vier Maschinen in Finow zu stationieren. Ein entsprechender Vertrag ist Wolk zufolge im August letzten Jahres unterzeichnet worden.

Zu all dem wird es nach Ansicht von Ralf Kunkel, Sprecher der Berliner Flughäfen, nicht kommen. „Der internationale Flugverkehr wird auf BBI konzentriert, dazu gibt es ganz klare Ansagen in der Landesplanung“, sagt Kunkel. Ryanair selbst hält sich bedeckt. „Es handelt sich um ein Gerücht, das wir nicht kommentieren“, gibt sich Ryanair-Sprecherin Henrike Schmidt einsilbig. Die Frage nach Finow stelle sich erst, wenn eine Genehmigung für den Linienverkehr vorliege.

Bislang dürfen auf dem Platz nur Flugzeuge mit einer Abflugmasse von 14 Tonnen abgefertigt werden. Gegen einen ablehnenden Planfeststellungsbescheid zum Ausbau des Flugplatzes durch das Land haben die Gesellschafter im vergangenen Jahr Klage beim Oberverwaltungsgericht eingelegt. Eine Entscheidung steht noch aus. „In Finow mehr als 14 Tonnen zuzulassen, hieße neben BBI in Schönefeld einen zweiten internationalen Standort im Land zu etablieren“, begründet Lothar Wiegand, Sprecher des Infrastrukturministeriums in Potsdam, den ablehnenden Bescheid aus dem Jahr 2007. Ein Ausbau von Finow widerspreche der Landesentwicklungsplanung, die nur eine internationale Drehscheibe im Flugverkehr vorsehe – in Schönefeld.

Kritik an der Haltung des Landes üben auch die Geschäftsführer der Verkehrslandeplätze in Schönhagen (Teltow-Fläming) und Strausberg (Märkisch-Oderland). Beide fangen maßgeblich die mit der Schließung von Tempelhof und dem Ausbau von Schönefeld verdrängten Geschäftsflieger auf und stoßen beim nötigen Ausbau der eigenen Infrastruktur finanziell an ihre Grenzen. „Wir sind im Genehmigungsverfahren für den Instrumentenanflug, das uns 2,2 Millionen Euro kostet, aber unterm Strich keine zusätzlichen Einnahmen bringt und die Investitionen eigentlich nicht rechtfertigt“, klagt Klaus-Jürgen Schwahn vom Flugplatz.

Die 28 Plätze eines im Bau befindlichen Hangars in Schönhagen sind laut Flugplatz schon vermietet, der Bedarf für weitere überdachte Stellflächen ist da. „Wir brauchen aber nicht nur Hallen für die in Berlin verdrängten Flieger, sondern auch öffentliche Verkehrswege. Doch wir können keine Maut nehmen, um eine Rollbahn zu finanzieren“, argumentiert Schwahn und fordert Unterstützung vom Land ein. Andreas Gagel, Chef des Strausberger Verkehrslandeplatzes, steht vor dem gleichen Problem. „Die erste Welle von Tempelhof hat uns erreicht. Wir spüren den Bedarf, aber es gibt seit Jahren keine öffentliche Förderung mehr“, sagt Gagel. Die Landeplätze seien seit 1990 mit 14 Millionen Euro gefördert worden, reagiert Ministeriumssprecher Wiegand. Die Wirtschaftlichkeit eines Platzes hänge aber letztlich von der Nachfrage ab.

Quelle: MOZ (Online) vom Freitag, 26. Februar 2010 (18:30)

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