Flugplätze geraten ins Trudeln

Von Andreas Wendt

Potsdam (MOZ) Die Verkehrslandeplätze in Brandenburg geraten zunehmend unter wirtschaftlichen Druck. Das Land hat die Förderung schon seit Jahren eingestellt. Betreiber einiger Plätze wollen ihre Start- und Landebahnen mangels Flugverkehr jetzt als Gewerbeflächen veräußern.

„Im Vergleich zu Westdeutschland ist der Osten mit Betonpisten übersät“, sagt Lothar Wiegand, Sprecher des Infrastrukturministeriums in Potsdam, und führt diese Tatsache auf die Vorwendezeit mit dezentral angeordneten ehemaligen Militärflugplätzen zurück. Auf immerhin 45 Plätzen können in Brandenburg vor allem kleinere Flieger starten und landen. „Einige sind wirtschaftlich lebensfähig, andere nicht“, stellt Wiegand nüchtern fest.

Aktuellstes Beispiel ist der Verkehrslandeplatz in Cottbus-Drewitz (Spree-Neiße). Nach mehreren gescheiterten Versuchen nehmen die kommunalen Gesellschafter im dritten Anlauf sogar davon Abstand, das Areal künftig weiter als Flugplatz betreiben zu wollen. Selbst die Nutzung als Industrie- und Gewerbefläche ist laut Ausschreibungsunterlagen möglich. Der große Traum, Drewitz mit einem amerikanischen Investor aus dem Bundesstaat Pennsylvania und dessen 35 Millionen Euro zum internationalen Logistikzentrum auszubauen, war schon 1997 geplatzt. Stattdessen schustern die Gesellschafter jährlich knapp eine halbe Million Euro als Betriebskosten zu.

In Fürstenwalde (Oder-Spree) sieht es noch düsterer aus. Der Eigentümer des Platzes, die Firma Airport Development, hat schon Ende Juli nach Streitigkeiten zwischen dem ansässigen Aero-Club und der Betriebsgesellschaft den Flugbetrieb eingestellt und will auf dem südlichen Teil des Geländes Gewerbe ansiedeln. Eine überparteiliche Initiative aus Fürstenwalde will das endgültige Aus zwar noch auf politischem Wege verhindern, doch das allein macht den Flugplatz noch nicht wirtschaftlich rentabel.

„Wenn kein Bedarf da ist, wenn klar ist, man kann mit einem Flugplatz nichts mehr anfangen, dann muss man ihn eben dicht machen und nicht noch mehr kommunales Geld hineinpumpen“, drückt es Ministeriumssprecher Wiegand etwas drastisch aus. Bislang ist die Zahl der Flugplätze im Land noch stabil. Lediglich bei Jüterbog (Teltow-Fläming) ist Mitte der 90er Jahre ein ehemals sowjetischer Militärflughafen entwidmet worden. Deutschstämmige Spätaussiedler, vor allem aus Kasachstan, zogen in die sanierten Wohnblöcke. Die Einwohnerzahl im eigens gegründeten Ortsteil Flugplatz stieg von 25 im März 1994 auf 1000 Ende des Jahres 1997. Die meisten Rollbahnen sind verschwunden, die verbliebene wird für Fahrsicherheitstrainings und von Drachenfliegern genutzt.

Seit das Land 2004 die Förderung von Landeplätzen eingestellt hat, sind diese mehr oder weniger sich selbst überlassen. Und auch hier gilt: Im Berliner Speckgürtel ist die Fliegerwelt noch in Ordnung, doch je weiter weg, desto angespannter ist die Lage. „Beim Landeplatz Schönhagen oder auch in Straus- berg, da brummt es richtig“, sagt Lothar Wiegand.

Andere wie Eberswalde-Finow (Barnim) wollen vom Kuchen etwas abhaben und hoffen auf Unterstützung vom Land. „Wir wollen unseren Flugplatz zum Regionalflughafen ausbauen, aber das Land hat es sich leider anders überlegt“, sagt Geschäftsführer Reinhard Wolk. Gegen die von der Oberen Luftfahrtbehörde Berlin-Brandenburg abgelehnte Planfeststellung geht die Tower Finow GmbH gerichtlich vor. „Ein Regionalflughafen in Eberswalde-Finow passt nicht in die Landesplanung. Wir wollen neben Schönefeld keinen zweiten Verkehrsflughafen für Flugzeuge von 85 Tonnen in Brandenburg“, sagt der Sprecher von Infrastrukturministerin Jutta Lieske (SPD).

In der Landesentwicklungsplanung – Bestandteil der Luftverkehrskonzeption vom April 2008 – liest sich das noch anders: „Das Land hat in seinen bisherigen Vorstellungen für die Landeplätze Cottbus-Drewitz, Eberswalde-Finow und Brandenburg-Briest eine Entwicklungsmöglichkeit zum Regionalflughafen vorgesehen.“ Regulärer Linienflugverkehr wird aber schon hier ausgeschlossen.

Die Betreiber in Eberswalde-Finow lassen sich jedoch nicht vom Kurs abbringen, selbst ohne Regionalflughafen. Ab Juni des kommenden Jahres werden Module einer 55 Hektar großen Photovoltaik-Anlage Strom ins örtliche Netz einspeisen. „Photovoltaik und Solarenergie bieten Landeplätzen durchaus sinnvolle Alternativen“, findet Lothar Wiegand. Auch auf die Gefahr hin, als Flugplatz endgültig von der Landkarte zu verschwinden.

Donnerstag, 03. Dezember 2009 (19:56)
Quelle: www.moz.de

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