Lauten Fliegern geht’s ans Geld

Strausberg (MOZ) Anfang nächsten Jahres sollen die Landeentgelte auf dem Flugplatz Strausberg verändert werden. Damit soll Einfluss genommen werden auf die Lärmbelastung in der Stadt und ihrer Umgebung. Die Vorstellungen von Flugplatzbetreibergesellschaft und Bürgerverein gegen Fluglärm gehen zwar noch auseinander, allerdings haben sich die Positionen angenähert, wurde in der jüngsten Hauptausschusssitzung deutlich.

Von Uwe Spranger

Nach einer Beschlussvorlage der CDU hatte die Verwaltung den Auftrag gehabt, die Thematik Fluglärm aufzuarbeiten, um Möglichkeiten herauszufinden, ob und wie Belastungen minimiert werden können. Wie Kämmerin Elke Stadeler vor wenigen Tagen im Hauptausschuss berichtete, hatte es im Vorfeld der Sitzung ein „konstruktives Gespräch“ mit dem Bürgerverein gegen Fluglärm gegeben.

Die Hauptkritik des Vereins richtet sich gegen Flüge über die Mittagszeit und an Wochenenden. Wie Stefan Freimark vom Bürgerverein erläuterte, fielen laute Maschinen bei ruhiger Umgebung an Wochenenden mehr auf als an belebten Wochentagen. „Besonders viel Lärm verursachen Platzrunden“, erklärte er und verwies darauf, dass nur eine Flugschule bereit gewesen sei, für ein „Miteinander“ Rücksicht zu nehmen. Deswegen mahnte er die Stadtverordneten, in Gesellschafterversammlung und Aufsichtsrat ihre Einflussmöglichkeiten zu nutzen.

Vorschlag des Vereins: durch finanzielle Maßnahmen die Start- und Landezeiten zu steuern. Konkret soll das so aussehen, dass für alle motorgetriebenen Fluggeräte die Landegebühren gegenüber dem heutigen Stand „mindestens verdoppelt“ werden sollten. Zugleich sollte die Entgeltordnung um eine Rabattregelung ergänzt werden, nach der montags bis sonnabends zu den normalen Betriebszeiten außer zwischen 13 und 15 Uhr 50 Prozent Ermäßigung gewährt werden sollte. Weitere Ausnahme: gesetzliche Feiertage. Die würde die Lebensqualität im Umland „massiv steigern“, prognostizierte Freimark. Zugleich erwarte der Verein, dass die Veränderung für den Flugplatzbetreiber kostenneutral bleibe.

Aus der Sicht des Chefs der Flugplatz Strausberg GmbH Andreas Gagel führen „politische Preise“ nicht zum Erfolg. „Wenn der nächste Flugplatz weit weg wäre, wäre das alles kein Problem“, machte er auf die Konkurrenzsituation aufmerksam, in der sich Strausberg befindet. Allerdings hatte auch er bereits einen Vorschlag für eine Überarbeitung der Entgeltordnung präsentiert. Demnach sollten die Nutzer von Flugzeugen ohne Lärmschutz doppelt so viel zahlen wie jene von Maschinen mit Lärmschutz. Er sagte aber zu, die Intentionen des Bürgervereins „in Ruhe zu bewerten und dann einen Vorschlag zu unterbreiten“. In den Wintermonaten sei die Hauptbelastung ohnehin nicht zu erwarten.

Das passt zu dem Vorschlag von Steffen Schuster (UfW/offene Fraktion), im ersten Quartal 2010 eine Lösung zu finden. „Die Auffassungen sind nicht mehr so konträr, wir sollten Schnellschüsse vermeiden“, so Schuster auf die Forderung von Thomas Weiske (CDU), einen Zeitpunkt festzulegen. Gagel hätte so auch ausreichend Zeit, mit den Kunden zu reden. Bis zur nächsten Gesellschafterversammlung am Mittwoch dieser Woche etwas zu erreichen, sei unrealistisch, schloss sich ihm Meinhard Tietz (Linke) an.

Der Flugplatz-Chef hatte zuvor ausgeführt, dass es 2008 insgesamt 27 Beschwerden von 23 Beschwerdeführern gegeben hatte, in diesem Jahr in beiden Kategorien je zehn weniger. Am Flugplatz seien 53 Luftfahrzeuge stationiert – 37 Motorflieger/-segler und 16 Ultraleichtflugzeuge. Von allen Maschinen hätten 13 nur einfachen Lärmschutz, 16 keinen. Letztere unterlägen aber auch nicht diesen gesetzlichen Bestimmungen. Die 44 Beschwerden 2008/2009 entsprächen bei rund 40 0000 Flugbewegungen einem Anteil von 0,11 Prozent. Die Mehrheit der Piloten sei sich der Verantwortung bewusst.

Quelle: www.moz.de vom Montag, 23. November 2009 (19:44)

Kommentae sind geschlossen.

Post Navigation