Brief an den Finanzminister

Sehr geehrter Herr Minister Markov,

bei Ihrem kürzlich erfolgten Besuch in Strausberg, wurde Ihnen der Verkehrslandeplatz Strausberg als ein erfolgreiches und für die Region positives Unternehmen präsentiert. Dies nehmen wir zum Anlass, Sie über die Sicht der Bürger zu informieren, die um Umfeld des Landeplatzes leben und deren Interessen wir als gemeinnütziger Bürgerverein vertreten.

Das immer wieder zitierte Argument für die Notwendigkeit der Infrastruktureinrichtung VLP Strausberg sind positive Effekte für die Ansiedlung von Unternehmen. Festgestellt werden muss, dass auch beinahe 20 Jahre nach der Übernahme des Platzes durch die Kommune und trotz sehr hoher Investitionsleistungen durch das Land dieser Effekt weit hinter den Erwartungen zurückblieb!

Da in Strausberg offenbar nur ein sehr geringer Bedarf an flugplatzaffinen Ansiedlungen besteht, bleiben bei genauerer Recherche und nach dem Abzug der nicht flugplatzaffinen Gewerke, von den vom Betreiber oft publizierten 200 Arbeitsplätzen auf dem Gewerbegebiet Flugplatz, nur einzelne ortsfeste Firmen mit wenigen festen Arbeitsplätzen übrig.

Einzig der Verweis auf die Firma Stemme und die seit der Übernahme des VLP durch die Kommune bestehende Hoffnung auf die Ansiedlung größerer oder international tätiger Unternehmen, reicht als Begründung für ein unbegrenzt fortlaufendes finanzielles Arrange-ment der öffentlichen Hand in diesen Verkehrslandeplatz nicht aus.

Den hier heute angesiedelten, wirtschaftlich relevanten Firmen, würde ein Werksflugplatz oder ein Sonderlandeplatz für ihre Geschäftstätigkeit auch langfristig völlig genügen. Die finanziell aufwendige Aufrechterhaltung des Flugbetriebs am VLP Strausberg dient derzeit vorrangig der lärmintensiven Freizeit-, Spaß- und Erlebnisfliegerei.

Die Forderung der Platzbetreiberin nach Geldern für einen weiteren Ausbau des VLP Strausberg widerspricht nicht nur der Kernaussage des Gutachtens vom 06.10.2011 „Anforderungen und Verkehrsentwicklung der Allgemeinen Luftfahrt in Berlin-Brandenburg“. Da der VLP  Schönhagen zwischenzeitlich ausgebaut wurde, sollte der Plan zur Landebahnverlängerung des VLP Strausberg, als Reserve für einen evtl. auftretenden Engpass am BER, nicht weiter verfolgt werden. Ohnehin verbietet sich der Vorratsbau einer längeren Landebahn, da zahlreiche nahe liegende Landeplätze ihre nutzbare Landebahnen aus Kostengründen bereits auf die in Strausberg vorhandene Länge verkürzt haben, diese jedoch kurzfristig und kostengünstig wieder aktivieren könnten.

Die real existierende Rivalität zwischen den zahlreichen Landeplätzen im Berlin nahen Raum führt seit langem dazu, dass der VLP Strausberg Flugverkehr von anderen Landeplätzen abwirbt, um selbst eine hohe Anzahl von Flugbewegungen vorweisen zu können.

Fracht- oder Personentransport findet hier nur in unbedeutender Größe statt. Die finanzielle Unterstützung des VLP durch den kommunalen Firmenverbund verursacht große Marktverschiebungen, die eine Kostendeckung durch Entgelte, Mieten und Pachten, auch für andere Landeplätze in Brandenburg massiv erschwert. Der langfristige Einsatz öffentlicher Gelder am VLP Strausberg widerspricht den Grundsätzen fairen Wettbewerbes und behindert eine nachfrageorientierte Entwicklung des Luftverkehrs.

Da die Wirtschaft den VLP Strausberg nicht unbedingt benötigt, dominieren hier der nichtgewerbliche Flugverkehr, private Freizeitfliegerei, sowie die dazugehörigen Flugschulen. Im ursprünglich planerischen Geschäftskonzept sollte dieser Platz nach Beendigung der militärischen Nutzung an erster Stelle dem Geschäftsflugverkehr als „Tor zum Osten“ dienen.

Durch die heute vorherrschende Nutzung zur Freizeit-, Spaß- und Erlebnisfliegerei ist der Strausberger Flugplatz an den Wochenenden zum größten Lärmverursacher in der Region geworden. Im Gegensatz zu den vorhandenen Alternativflugplätzen, verläuft die Flugplatz-runde am VLP Strausberg in beide Richtungen sowohl gleich nach dem Start als auch unmittelbar vor der Landung, über dicht besiedeltes Land. Im westlichen Teil grenzt die Landebahn auch seitlich an ein altes und ein neu ausgewiesenes Wohngebiet.  Die Ruhebedürf-tigkeit vieler Menschen in den betroffenen Wohn- und Erholungsgebieten wird damit genau in den Zeiten stark eingeschränkt, in denen sie am größten ist!

Über 40.000 Flugbewegungen im Jahr -Tendenz steigend- und davon etwa ein Drittel an Wochenenden bescheren insbesondere den Flugplatzanwohnern Wochenende für Wochenende oftmals dauerhaften und unerträglichen Lärm!

Die Stadt Strausberg als Eigentümerin des VLP und die Betreiberin des Platzes vernachlässigen mit dem praktizierten rücksichtslosen Flugbetrieb ihre Schutzpflicht gegenüber den Bürgern, da der Platz durch seine ungünstige, dicht umbaute Lage für diese Art der Nutzung höchst ungeeignet ist.

Wir fordern die Umwidmung des Verkehrslandeplatzes Strausberg in einen Sonderlandeplatz und damit die Aufhebung der allgemeinen Betriebspflicht. Nur mit dieser Neueinstufung des Strausberger Flugplatzes ist es der Kommune und der Betreiberin des Flugplatzes möglich, das Ruhebedürfnis der Bürger in sensiblen Zeiten nachhaltig zu gewährleisten.

Im Übrigen würden auch wir Sie gern einmal zu einem Wochenendflugtag nach Strausberg einladen, damit Sie live miterleben können, welche Lärmbelastung derzeit den Bürgern zugemutet wird.

Mit freundlichen Grüßen

Weber

Vorsitzender

 

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