Die Machbarkeitsstudie 1996

Die Stadt Strausberg hat 1995 den Flugplatz Strausberg übernommen. Der Flugplatz verzeichnete im gleichen Jahr 23054 Flugbewegungen. Um die Möglichkeiten und Grenzen der Entwicklung sowie die Auswirkungen des Verkehrslandeplatzes auf die Stadt festzustellen, wurde 1996 eine Machbarkeitsstudie für Strausberg erstellt.
In der Studie wurden schon damals die negativen Auswirkungen des Flugbetriebes für die bereits bestehenden Wohngebiete im Osten der Stadt aufgrund der Verlärmung durch den Flugbetrieb beschrieben. Außerdem wurde in der Studie das besonders hohe Konfliktpotential durch sehr hohe Flugtätigkeit an den Wochenenden hervorgehoben. Zudem wurde in der Studie festgestellt, dass eine baulichen Abschirmung/Zonierung, wie sie beispielsweise bei Straßenlärm sinnvoll sein kann, gegen Fluglärm unwirksam ist. Schon 1996, so stellt die Studie fest, wurden in vorhandenen Wohngebieten, wie z.B. der Hufenweg und an der Hohensteiner Chaussee, die Lärmbelastungsobergrenzen erreicht und zum Teil auch schon überschritten. Nachlesen lassen sich Ausschnitte der Studie im aktuell auf der Homepage der Stadt Strausberg veröffentlichten Erläuterungsbericht zum Flächennutzungsplan der Stadt Strausberg.
http://www.stadt-strausberg.de/neu/cms/upload/pdf/stadtentwicklung/planungsinformationen/flaechennutzungsplan3.pdf
Im Jahr 2013 wurden auf dem Flugplatz Strausberg über 42300 Motorflugbewegungen erfasst. Die damals 1996 bestehenden Wohngebiete in Flugplatznähe sind durch weitere Wohnbebauung verdichtet worden. Das für Eigenheimbau neu geplante Wohngebiet Mittelfeld verläuft bis beinahe unmittelbar an die Flugplatzgrenze. Sollte die Landebahn, wie inzwischen geplant, verlängert werden, können die „stolzen Eigenheimbesitzer“ sprichwörtlich von ihrer Terrasse aus die Gesichter der Piloten bei Start und Landung erkennen.
Nach unserer Kenntnis wird in der Studie eine Maximalgrenze von 30000 Flugbewegungen für die Stadt Strausberg festgestellt, ab der sich jede weitere Erhöhung des Flugaufkommens negativ für die weitere Entwicklung der Stadt auswirken wird. Dieser Grenzwert erscheint uns glaubhaft. Als betroffene  Bürger dürfen wir an beinahe jedem Wochenende an den Eskapaden der Hobbyflieger optisch und akustisch teilhaben, da sie uns mit ihren Fluggeräten aller Art über unseren Köpfen lautstark auf ihre Anwesenheit hinweisen. Und wir merken inzwischen mehr als deutlich, dass die Grenze der maximal zumutbaren Flugbewegungen an diesem Flugplatz überschritten ist.
 
Dies war Grund genug für uns, mal bei der Bürgermeisterin nach einer Kopie der damaligen Machbarkeitsstudie nachzufragen, um alle Informationen ganz direkt nachlesen zu können.
Leider hat die Bürgermeisterin die Herausgabe der Studie abgelehnt.
Für uns stellt sich die Sache inzwischen folgendermaßen dar: Die Machbarkeitsstudie wurde benötigt, um die positiven Effekte von Geschäftsflugbetrieb für die Entwicklung der Stadt hervorzuheben und die Unschädlichkeit von „ein bisschen Fliegerei“ am Platz für die Stadt aufzeigen zu können. Mit der suggerierten Aussicht auf sprudelnde Einnahmen für die Stadtkasse aus dem zu erwartenden Geschäftsflugverkehr konnte die Übernahme des Flugplatzes in kommunale Hand gerechtfertigt werden und die damaligen Kritiker wurden ruhig gestellt. Die seit der Flugplatzübernahme subventionierten Landeentgelte am Platz haben jedoch statt der erhofften ertragskräftigen Geschäftsflieger nur Flugschulen und Freizeitpiloten in dem Maße angezogen, dass die damals aufgezeigte Maximalgrenze schon längst überschritten wurde. Die Stadt konnte davon finanziell nicht profitieren. Im Gegenteil, der Flugplatz lebt nur durch einen jährlichen Finanztransfer aus dem kommunalen Firmenverbund, der die erzielten Landeentgelte am Platz weit übersteigt. Eine verträgliche Stadtentwicklung ist im Osten der Stadt bei diesem großen Lärmaufkommen nach unserer Auffassung nicht mehr möglich. Brisanter Weise liegt hier jedoch das einzige zusammenhängende Gebiet in Strausberg, vom Stadtwald einmal abgesehen, in dem größere zusammenhängende Ansiedlungen und hochwertige Wohnbebauung mit Einfamilienhäusern möglich sind.
 
Im Schreiben der Bürgermeisterin an den Bürgerverein  führt sie weiter aus: „ Des Weiteren wird derzeit im Rahmen des Antrages der Strausberger Flugplatz GmbH auf Einführung von IFR-Betrieb ein neues schalltechnisches Gutachten erarbeitet, dass Ihnen und der weiteren interessierten Öffentlichkeit im Beteiligungsverfahren präsentiert wird.“
 
Unmittelbar unter der Einflugschneise zum Flugplatz ist das neue Wohngebiet am Wäldchen mit 27 Einfamilienhäusern geplant. Sollte der Landeplatz mit einem Instrumentenladesystem (IFR) ausgerüstet werden, könnten die Anwohner sich auf spektakuläre Ausblicke und Geräusche freuen. Denn anfliegende Maschinen würden, da sie in dieser Landephase ihre Landeklappen und ihr Fahrwerk ausgefahren haben, mit erheblichem Schub und daher auch mit erheblichem Lärm in kaum 50 m Höhe über ihre Köpfe fliegen.
Das schalltechnische Gutachten wird die Einführung des IFR-Betrieb voraussichtlich nicht behindern. Der IFR-Betrieb wird dazu führen, dass  die Anzahl der  Flugbewegungen auch nachts  steigen wird. Im Übrigen werden bisher vom Fluglärm verschonte Anwohner im Umfeld des Flugplatzes und auch andere Nachbargemeinden vom diesbezüglichen Fluglärm dann betroffen sein.
 
Der Bürgerverein wird im nächsten Gespräch mit der Bürgermeisterin erneut die Herausgabe der Machbarkeitsstudie von 1996 und eine Verringerung der Flugbewegungen  fordern.
 
Der Vorstand

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