Am Rande des 775-Jahr-Umzugs bemerkt

Auch ein Wagen des Flugplatzes Strausberg war im Zug präsent. Besonders gut hat uns die Darstellung eines um den Tower kreisenden Flugzeuges gefallen. Hier wurde sehr realistisch dargestellt, wohin die mit Abstand meisten Flüge vom Strausberger Flugplatz führen. Nämlich in Sichtweite des Towers einmal im Kreis. So verlärmt das gleiche Flugzeug nach rund 6 Minuten wieder unsere Umwelt, ohne wirklich Passagiere oder Fracht zu befördern. Jedoch zählt jede Flugbewegung für die Statistik, und das ist den Verantwortlichen wichtig! Aber gerade an den Wochenenden ist dieser Kreisverkehr, bei diesem so dicht von Wohnbebauung umschlossenen Flugplatz, für hunderte von Anwohnern sehr belastend.

Stolz präsentierte der Flugplatz am Umzugswagen den Slogan:
„Wir funktionieren seit über 80 Jahren. BER, so macht man das!“

Ist der Strausberger Flugplatz, der Musterschüler in Sachen Flugverkehr?

Mitnichten!

Denn: was jetzt nicht so laut rumgetönt wurde ist die Tatsache, dass der Strausberger Flugplatz seit seiner Übernahme in kommunales Eigentum seine Ausgaben nicht aus seinen Einnahmen begleichen kann. Sein Überleben verdankt er einer kommunalen Quersubventionierung, bei der unter anderem die Gewinne der Stadtwerke, über die Zwischenstation Straßenbahn, großzügig an den Flugplatz verteilt werden. Die Zahlungen zum künstlichen Lebenserhalt des Flugplatzes gehen dabei jährlich in die Hunderttausende. Auch der BER erhält öffentliche Zuschüsse. Der Unterschied: Er erhält diese jetzt in Form von Darlehen, die er nach seiner Eröffnung an die öffentliche Hand zurückzahlen muss.
Undenkbar für den Strausberger Flugplatz. Viel zu gering die Einnahmen, viel zu groß die Konkurrenz mit anderen Plätzen. Und: Keine Aussicht auf Besserung!

Wenn ein Unternehmen seine Rechnungen nicht mehr bezahlen kann, ist es nach landläufiger Meinung pleite. Zurzeit gibt es im Land Brandenburg 64 mehr oder weniger ausgebaute Landeplätze. Der größte Teil dieser Landeplätze stammt noch aus der militärischen Nutzung zu DDR Zeiten. Der Strausberger ist da nur einer unter vielen.
Wikipedia bietet folgende Erklärung dazu an: „Unter Marktbereinigung versteht man in der Wirtschaftswissenschaft einen Prozess, bei dem sich die Zahl der Anbieter in einem Markt verringert. Die Marktbereinigung ist ein Marktmechanismus, der die Situation eines Überangebotes beseitigt.“

Dazu muss man dann aber auch die Marktmechanismen wirken lassen und darf sie nicht mit öffentlichen Mitteln behindern! Zweifellos zeigte unter anderem auch das Flugplatzfest, dass der Flugplatz einen gewissen Unterhaltungswert für seine Besucher bietet. Jedoch wären die meisten Attraktionen dieser 775 Jahrfeier auch ohne aktiven Flugbetrieb am Platz möglich gewesen. Was haben beispielsweise ein Marathon und der Flugbetrieb am Platz gemeinsam? War es das Ziel, die große Gruppe der Läufer und ihre Begleiter ganz einfach als Besucher zum Flugplatzfest zuzuordnen? Den Zieleinlauf auf dem Flugplatz zu verlegen, statt diesem im Stadion zu belassen, konterkariert jeden unternommenen Versuch, die Strausberger Altstadt zu beleben.

Wirken sich die Zuschüsse zum Landeplatz über Umwege für die Bürger der Stadt positiv aus, so dass sie sich am Ende doch rechnen?

Ein klares nein!

Mit mehreren anderen Landeplätzen als Konkurrenten „in Sichtweite“ konnte eine (volks)wirtschaftliche Notwendigkeit zur Bereitstellung von Flugplatzinfrastruktur in Strausberg nicht nachgewiesen werden. Eher das Gegenteil davon ist eingetreten. Die Ansiedlung vom flugaffinen Gewerbe ist nach beinahe 20 Jahren Geldverbrennens am Platz mehr als spärlich. Industrieansiedlungen? Fehlanzeige!
Die negativen Auswirkungen des Flugbetriebes auf die Stadtentwicklung, der Natur und der Menschen sind im Osten der Stadt jedoch deutlich präsent und in Gutachten und Entwicklungsplänen dokumentiert.
Der einseitige Eingriff in einen Wirtschaftszweig, kann sogar negative Folgen für andere potentiell wachstumsstarke Branchen in der Stadt haben: Diese können in ihrer eigenen Entwicklung gestört und in ihrem Wachstum gehemmt werden.
Wird der Flugplatz weiter gefördert, wird beispielsweise der Wohnungsneubau in einem großen Umfeld diskriminiert. Dies führt dazu, dass die Einwohnerzahl von Strausberg, im Gegensatz zu vielen anderen Gemeinden im Speckgürtel um Berlin, nur langsam steigt oder sogar stagniert. Andere Wirtschaftszweige wie Handel, Handwerk und Gewerbe leiden dadurch. Beinahe alle am Platz fliegenden Piloten, wohnen weder in Strausberg, noch haben sie hier ihren Lebensmittelpunkt. Deshalb kann diese einseitige Förderung für eine Volkswirtschaft als Ganzes nicht nur teuer, sondern sogar schädlich sein!

Der Vorstand

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

68 − = 58

Post Navigation