Flugplatz kontra „Strausberg, die grüne Stadt am See“?

Ein Großteil des am südlichen Ende der verlängerten Landebahn bis zur Aral Tankstelle gelegenen Waldgebietes, soll zeitnah abgeholzt werden. Dies soll erfolgen, um einen hindernisfreien Instrumenten Anflug (nachNfL. I-328/01) am VLP Strausberg zu ermöglichen. Für diesen hat der Platz jedoch gar keine Zulassung und keine Ausstattung.
Demzufolge hätte die Herstellung einer Hindernisfreiheit für Flugverkehr unter Sichtflugbedingungen (nach NfL. I-92-13) mit ihren weitaus geringeren Vorgaben völlig ausgereicht.

Die von den Strausberger Stadtverordneten im Dezember 2015 mehrheitlich beschlossene Hindernisbereinigung am Flugplatz Strausberg lässt deshalb bei uns viele Fragen offen.

Am VLP Strausberg gibt es kein Instrumenten Anflug System (IAS).
Es gibt weder ein laufendes Verfahren, noch einen Planfeststellungsbeschluss zu dessen Einführung. Und schaut man sich das Gutachten vom Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft des Landes Brandenburg vom 06.Oktober 2011 an, gelangt man unweigerlich zu der Erkenntnis, dass sich auch auf lange Sicht kein hinreichender Bedarf entwickeln wird, der die Einführung eines IAS am VLP Strausberg rechtfertigen würde.
Dennoch sollen nun auf rund 33000 m² alle Bäume fallen. Es wird Kahlschlag betrieben, um Platz für einen imaginären Instrumenten-Flugbetrieb zu schaffen. Toll! Genauso gut könnte man auch eine Schneise mit der Begründung in einen Wald schlagen, es gäbe einzelne Überlegungen, dort später einmal eine Straße entlang zu führen.
Der Stadtverordnete Herr Fuchs (CDU) brachte die Größenordnung des Kahlschlages während der Aussprache in der Stadtverordnetenversammlung mit seiner Äußerung „Es handelt sich hier um eine gravierende Änderung, da werden sich einige die Augen reiben“ auf den Punkt.

Hinzu kommt, dass das abzuholzende Waldgebiet inmitten des Strausberger Wasserschutzgebietes liegt.
Um unser aller Trinkwasser vor Verunreinigungen zu sichern, wird die Natur mit der Verordnung zur Festsetzung des Wasserschutzgebietes für das Wasserwerk Strausberg vom 19.07.2012 besonders geschützt. Holzerntemaßnahmen sind hier nur bis zu einer Größenordnung von maximal 1000m² erlaubt. Offenbar wird dies von den Initiatoren des Kahlschlages nicht als Hindernis für ihr Vorhaben gesehen. Hier wird offensichtlich auf eine Gesetzes-Ausnahme „aus einem ganz wichtigem Grund“ vertraut.

Finanziert werden soll das Ganze aus Mitteln des Flugplatzes. So steht es im Beschluss.
Den Stadtverordneten sollte jedoch bekannt sein, dass der VLP Strausberg es nicht einmal schafft, seine normalen Betriebsausgaben aus seinen eigenen Einnahmen zu erwirtschaften. Er ist auf jährliche Zuzahlungen von einer viertel Million Euro angewiesen, um weiter am Markt zu bleiben.
Also wird das Geld letztendlich doch wieder von anderer Stelle genommen. Es wird sicherlich ebenso wie der jährliche Zuschuss aus der Kasse der Strausberger Straßenbahn fließen und fehlt damit unserem kommunalen öffentlichen Nahverkehr. Und damit steht es auch nicht mehr für andere, wichtige und nachhaltige kommunale Aufgaben zur Verfügung.

Liebe Stadtverordnete, wäre es nicht besser gewesen, statt über die Abschaffung eines ganzen Waldstückes in seiner jetzigen Form, mal über die Folgen der offensichtlich angestrebten Einführung eines Instrumenten-Anflugs nachzudenken??
Stichworte: Nachtflüge, Lärmbelastung, Wohn- und Lebensqualität?

Der Vorstand

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